Wandertouren in Manitoba haben einen großen Vorteil: Höhenkrank kann man hier nicht werden! Was aber nicht heißt, dass die weite, geschwungene Kulisse der Prärieprovinz eintönig ist!

Anders als viele vermuten, hat es Mutter Natur auch mit Manitoba mehr als gut gemeint. Die Szenerie ist geprägt von weiten Graslandschaften der Prärie, waldbedeckten Anhöhen, hügeligen Flusstäler, riesigen Feuchtgebieten und gelegentlichen Steilhängen, die einen atemberaubenden Blick auf das Umland freigeben. Auch die unzähligen Seen und Flüsse, die mit Felsvorsprüngen aus Granit und Kalkstein gesprenkelt sind und zwischen dichten Laub- und Nadelwäldern hervorlugen, sorgen für ein abwechslungsreiches Bild, herrliche Panoramablicke und grandiose Fotomotive. Also, Wanderschuhe geschnürt und rauf auf den Trail!

Mantario Trail

Mantario Trail (cc) Mantario
Mantario Trail (cc) Mantario

Er zählt zu den besten Wanderrouten Kanadas: Der Mantario Trail schlängelt sich über 66 km entlang der Grenze von – man ahnt es bereits – Manitoba und Ontario durch den Whiteshell Provincial Park und ist der längste seiner Art durch den Kanadischen Schild Westkanadas. Unterwegs ist viel Abwechslung geboten: Wälder, Seen, Bäche, Schluchten, Bergrücken aus Granit, Torfmoore sowie natürlich jede Menge Tiere. Der Mantario Trail ist recht anspruchsvoll – erfahrene Wanderer benötigen für die komplette Strecke zwischen drei und fünf Tage. Tagesausflügler begnügen sich zumeist mit der ersten Etappe und starten am südlichen Ausgangspunkt in der Nähe des Caddy Lake. Sie dürfen sich auf wilde und waldige Täler, auf die Querung des Whiteshell River über einen hölzernen Brückensteg und auf das Wandern auf Eisenbahnschienen freuen – doch Vorsicht, die Strecke ist noch in Betrieb!

Spruce Woods Provincial Park

Etwas weniger diffizil und daher ideal für Familien geeignet ist eine Tageswanderung durch den Spruce Woods Provincial Park, etwa zwei Stunden westlich von Winnipeg. Auf Wegen zwischen 4 und 11 km Länge erhält man einen hervorragenden Einblick in die einzigartige Mischung aus kontrastreicher Natur und wundersamen Abenteuern, denen man in diesem Park begegnet. Auf dem Hauptweg gelangt man zu einer Anhöhe, die einen ausgezeichneten Blick auf eine blau-grüne Oase aus Fichten und einem kraterförmigen See bietet – der Devil’s Punch Bowl. Mächtige Pinien und knorrige Eichen wechseln sich ab mit grasbewachsenen Hügeln und den Flusswindungen des Assiniboine River, bevor man schließlich eine echte geologische Überraschung erlebt: Imposante, bis zu 30 m hohe Sanddünen heben sich völlig unerwartet aus der Landschaft empor. Die Spirit Sands sind Manitobas einzige Sandwüste undwaren einst heilige Stätte der Cree.

Turtle Mountain Provincial Parks

Achtung: Geheimtipp! Auch die malerische Landschaft des Turtle Mountain Provincial Parks im äußersten Südwesten Manitobas erkundet man am besten per pedes. Nur wenige internationale Urlauber verirren sich in diese Ecke der Provinz. Grasbewachsene Pfade, die zumeist eher von Elchen als von Wanderern frequentiert werden, winden sich durch die hügelige Prärie-Oase aus Espenwäldern und Wiesen. Hölzerne Promenaden ziehen sich im Zickzack-Kurs durch stille Moore und Sümpfe, wo die Ohrenscharbe, Nordamerikas größte Kormoranart, zu Hause ist. Der Park liegt fast 250 m über der umliegenden Prärie und zählt mehr als 200 Seen. Der 1,5 km lange Lehrpfad Disappearing Lakes Interpretive Trail beschreibt auf Infotafeln entlang des Weges den Lebenszyklus eines typischen Turtle Mountain Sees und erklärt, wie ein solcher letztendlich ganz verschwindet. Für ambitioniertere Wanderer gibt es Wege bis zu 15 km Länge.

Pisew Falls Provincial Park

Wahrlich spritzig ist der rund 22 km lange Wanderpfad im Pisew Falls Provincial Park im nördlichen Manitoba, der entlang des Grass River zwischen den Wasserfällen Pisew Falls und Kwasitchewan Falls einer alten Pelzhandelsroute folgt. An den Pisew Falls fällt der Grass River recht plötzlich um gute 13 m ab, ändert die Richtung und stürzt sich dann lauthals eine kleine Schlucht hinab. Die Kwasitchewan Falls wiederum sind mit 14,2 m Höhe Manitobas höchster Wasserfall! Wanderer, die über Nacht Station machen möchten, können die abgelegenen Zeltplätze am hinteren Ende des Trails nutzen.

Riding Mountain National Parks

Bei einem Besuch des Riding Mountain National Parks sollte man auf keinen Fall versäumen, die Wildnis wie einst Archie Belaney zu erkunden. Der englischstämmige Trapper, der sich als Halbblut-Indianer ausgab und unter dem Namen „Grey Owl“ bekannt war, lebte im Jahr 1931 für sechs Monate im Park, wo er als erster Naturschützer der kanadischen Nationalparkbehörde im Einsatz war. Der 17 km lange Grey Owl Trail führt zur Beaver Lake Cabin, in dem er damals mit seinen beiden Haus-Bibern lebte. Der Wanderpfad schlängelt sich durch ruhige Waldgebiete, die von Sümpfen und Feuchtwiesen unterbrochen sind und Lebensraum für Biber, Bisamratten, Elche und Wasservögel bieten.

Riding Mountain National Park

Hecla Grindstone Provincial Parks

Ein ganz anderes Natur- und Wandererlebnis erwartet Besucher des Hecla Grindstone Provincial Parks, der sich inmitten des riesigen Lake Winnipeg befindet. Der Park ist geprägt von seiner zerfurchten Inselwelt mit Küstenlinien aus Kalkstein, einsamen Stränden, üppigen Wäldern und Sümpfen. Durch seine Vielseitigkeit an Lebensräumen bietet er einer großen Vielfalt an Säugetieren und Vogelarten ein Zuhause, darunter einer beeindruckenden Kolonie an Nashornpelikanen. Der Park war einst Heimat isländischer Einwanderer, von denen noch heute im Hecla Village erzählt wird. Ein Lehrpfad führt durch die Geschichte der kleinen Siedlung am Ufer des Sees und macht Station an verschiedenen jahrhundertealten Gebäuden. Am Grassy Narrow Marsh beginnt ein 25 km langes Wanderwegenetz durch ein weitläufiges Sumpfgebiet. Holzpromenaden und geschützte Beobachtungsstationen bieten hier ausgezeichnete Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung. Fernglas nicht vergessen!

Weitere Informationen über Manitoba unter www.travelmanitoba.com/de.

 

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